Wer schon einmal vom Thema Wietpas gehört hat, ist vermutlich ebenfalls bereits auf den Blog Kein Wietpas! gestoßen. Hier hat der Autor Stefan Müller das vergangene Jahr über alle Neuigkeiten, betreffend des drohenden Wietpas, sowie alles weitere wissenswerte berichtet. Mittlerweile wurde der Wietpas ja glücklicherweise wieder abgeschafft und wir wollen diese Gelegenheit nutzen, um Stefan noch einmal die Möglichkeit geben seinen Blog vorzustellen und mit uns über weitere Themen zu reden. Wir sind sehr froh dass er sich die Zeit genommen hat und wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

Hallo Stefan, danke erst einmal dass du dir Zeit für uns nimmst! Bitte stelle dich und dein Projekt "Kein Wietpas!" kurz einmal unseren Lesern vor.

Stefan Müller: Gerne Doch!
Ich bin 33 Jahre alt, wohne in Hamm (NRW) und bin schon seit Jahren leidenschaftlicher Coffeeshopbesucher & Hollandliebhaber. Als ich letztes Jahr mitbekommen habe, dass Ausländern der Einlass in Coffeeshops verwehrt werden sollte habe ich zuerst in meinem Privatblog (mobos-welt.de) einen bösen Artikel darüber geschrieben und dann schnell beschlossen, aus der Thematik ein eigenes Blog zu machen. Coffeeshops waren für mich immer ein Ort der internationalen Begegnung. Hier lernt man nicht nur Niederländer, sondern eben auch Hanffreunde aus aller Welt kennen. Der Richtungswechsel der niederländischen Politik droht dies für immer zu zerstören. Mir ist es wichtig, die Leute darüber zu informieren. In meinen Augen hat Diskriminierung jeglicher Art nichts auf dieser Welt zu suchen! Von Anfang an war es mir wichtig, dass "Kein Wietpas!" keine Ein-Mann-Show werden sollte und ich habe dazu aufgerufen, dass Gastbeiträge eingereicht werden sollten. Das dies dann auch recht schnell passierte hat mich sehr gefreut. Mittlerweile schreiben am Blog mit mir fünf feste Autoren.

Mit deinem Blog zum Wietpas und dem damit drohenden Coffeshop-Verbot für Ausländer hast du viele Menschen auf eine große Problematik hingewiesen. Nun wurde der Wietpas zum Glück bereits abgeschafft und du hast hierbei in meinen Augen eine wichtige Rolle gespielt. Wie bewertest du die Aufklärung über Themen die mit Cannabis zu tun haben in den Medien allgemein?

Stefan: Die Tatsache, dass die Thematik in der deutschen Medienlandschaft nur stiefmütterlich und oft sehr einseitig und klischeehaft behandelt wird, war für mich der Anlass mit dem Blog loszulegen. Wir bemühen uns stets, das ganze neutraler zu betrachten und gehen mehr ins Detail. Doch ich beobachte auch, dass sich hierzulande ein wenig ändert. Viele Medien erkennen, dass Cannabiskonsum keine Randerscheinung ist und die Konsumenten auch eine durchaus ernstzunehmende Zielgruppe sein können. Die aktuelle SPIEGEL-Serie interpretiere ich als ein deutliches Zeichen des Wandels. Jetzt muss das noch in der breiten Bevölkerung und vor allem in der Politik ankommen.

Während die Gesetze in den Niederlanden für uns nahezu utopisch erscheinen, tut sich in Deutschland sehr wenig bis gar nichts bei den Gesetzen. Denkst du dass sich die kommenden Jahre auch bei uns endlich mal etwas entwickeln wird?

Stefan: Deutschland ist in der Tat noch sehr rückständig und vor allem sehr träge in der Entwicklung und doch erkennt man Bewegung: Cannabis als Medizin zu bekommen ist nicht mehr ganz so schwer wie noch vor ein paar Jahren (ich selbst bin momentan Dronabinol-Patient und arbeite auf eine Ausnahmegenehmigung hin). Und die Entwicklungen in der restlichen Welt kann die hiesige Politik nicht ignorieren: Die Legalisierungen in Colorado und Washington, Breaking the taboo, Cannabis Social Clubs und immer mehr Staaten die umdenken zeigen irgendwann auch Deutschland, wohin die Reise geht.

Nun ist das Ziel ja erreicht und der Wietpas abgeschafft. Können die Leser auch in Zukunft interessanten Content auf Kein Wietpas! erwarten?

Stefan: Der Wietpas ist zwar abgeschafft, aber in vielen Teilen der Niederlande bleibt die Diskriminierung gegenüber Ausländern in Form des "I-Kriteriums". Wir berichten darüber, aber auch allgemein über die Cannabispolitik der Niederlande, denn in unserem Nachbarland passiert viel. Daneben gibt es immer mal wieder Reiseberichte und Coffeeshoptests. Wer sich also über Cannabis in den Niederlanden informieren will, ist bei "Kein Wietpas!" immer richtig!

Gibt es vielleicht noch etwas das du unseren Lesern mitteilen möchtest?

Stefan: Ich möchte jeden dazu aufrufen, aktiv zu werden! Schreibt Leserbriefe, kommentiert Artikel, sprecht im Freundeskreis und in der Familie über die Probleme, die der "Krieg gegen die Drogen" verursacht. Versteckt Euch nicht mehr! Die Bewegung braucht Gesichter und Stimmen, die gehört werden! Vernetzt Euch! Nutzt das Internet zur kollektiven Zusammenarbeit! Gemeinsam schaffen wir es unser Ziel zu erreichen!

Vielen Dank für das Interview Stefan und diese interessanten Einblicke!